Entzündungen durch Titanimplantate („Titanallergie“)

Das Zahnimplantat aus Titan ist erst wenige Wochen drin, doch dann entwickelt sich plötzlich Eiter verbunden mit rasenden Schmerzen. Antibiotika helfen nicht. Dies obwohl der Zahnarzt sauber gearbeitet hat und keine Bakterien eingeschleppt wurden. Der Zahnarzt ist ratlos. Er weiß nicht, dass einige Menschen auf Titan mit Entzündungen reagieren.
Einzige Abhilfe: das Implantat muss wieder entfernt werden.

Einführung

Unter vielen Chirurgen und leider auch Zahnärzten ist der Glaube verbreitet, es gäbe keine Entzündungsreaktionen auf Titan. Leider passiert das aber bei manchen Menschen. Und da es solche Entzündungen „nicht gibt“, erfolgen dann falsche Beratungen und hilflose Therapieversuche. 

Die Wahrheit ist: Menschen, die zu Entzündungen auf Titan neigen, dürfen NIEMALS Titan in Form von Implantaten bekommen.

Dies trifft übrigen auch für Titanklammen zu, die gern nach Operationen zum fixieren der Narben verwendet werden. Allerdings ist hier die Abhilfe einfacher. Man kann die Klammern entfernen, und dann stoppt auch die Eiterung relativ schnell. (Siehe Fallbericht unten)

Fall 1: Eiterungen an einer Operationsnarbe durch Titanklammern

Dieser Patient wusste durch einen früheren Epikutantest, dass er auf Titan mit Entzündungen reagiert (siehe Fotos unten vom selben Patienten). 

Als er 2009 operiert wurde, wies er die Ärzte darauf hin. Trotzdem wurde die Operationswunde dann mit Titan geklammert, weil es laut Auskunft der Chirurgen „solche Reaktionen gar nicht gäbe“. 

Nach einigen Tagen begann sich die Narbe um die Klammern herum zu röten und dann zu eitern. Der Patient wies nochmals auf seine Unverträglichkeit hin, und die Ärzte beschlossen dann, ihm zu glauben und ließen die Titanklammern entfernen. Statt dessen wurde die Wunde nun mit Pflastern zusammengehalten. Daraufhin stoppte die Eiterung.
Bis zum vollständigen Verschwinden der Rötungen dauerte es allerdings mehr als zwei Monate (siehe Foto 4).

Da keine Antibiotika oder zusätzliche Desinfektion angewendet wurden, beweist dies auch, dass keine Bakterien der Auslöser für die Eiterung gewesen sind. 

Fotodokumentation

Narbe mit Titanklammern
1
Eiterung nach Titanklammern
2
Selbe Narbe mit Stripes
3
Narbe ausgeheilt nach 2 Monaten
4

1. mit Titan geklammtere Wunde
2. Eiterbildung (Foto direkt nach Entfernen der Titanklammern)
3. Eiter verschwindet, wenn zum Klammern Pflaster verwendet werden
4. Wunde ist gut verheilt, aber noch leichte Rötung vorhanden (Foto nach 8 Wochen)

Wirkmechanismus der Entzündungen durch Titan

Reaktionen auf Titan sind keine echte Allergie, wie sie gegen bestimmte Eiweiße bestehen kann, sonder hier werden Makrophagen (Fresszellen) aktiv, die nach Kontakt mit Titanoxid im Körper Entzündungssubstanzen freisetzen (vor allem TNF-α und Interleukin-1). 

Wie stark der Körper dann darauf mit tatsächlichen Entzündungen reagiert, hängt von Zusatzfaktoren ab. Bestimmte genetische Faktoren steigern das Risiko, auf Titan mit Entzündungen zu reagieren. 

→ Fachinformation beim Labor IMD Berlin:
https://www.imd-berlin.de/fachinformationen/diagnostikinformationen/titan-unvertraeglichkeit

Wie schnell sich Entzündungen an Titan-Implantaten bilden, kann sehr unterschiedlich sein. Max Daunderer berichtet in seiner Fachinformation zu Titan, dass diese durchaus erst 1 oder 2 Jahre nach Einbringen des Implantats beginnen können.
Diese Metallallergie führt dann zu erheblichen Schmerzen und einer lokalen Osteoporose. [1]
Einzige Abhilfe: restloses Entfernen des Implantats

Von Titanreaktionen Betroffene müssen auch bei Arzneimitteln aufpassen. Zahlreichen Medikamenten wird auch heute noch Titan zugemischt – aus dem einzigen Grund, damit die Pillen und Presslinge damit schön weiß aussehen. 
Wer auf Titan reagiert, sollte solche Präparate strikt meiden.

[1] Fachinfo zu Titan von Dr. Max Daunderer (Stand 2006, enthält auch eine Liste von Arzneimtiteln mit Titanzusatz)

 

Epikutantest auf Unverträglichkeit von Titan

Dies ist die günstigste Möglichkeit, Entzündungsreaktionen durch Titan nachzuweisen. 

Angeboten wurde dieser Test z.B. vom bekannten Toxikologen Dr. Max Daunderer, der inzwischen verstorben ist.  

Max Daunderer hat auch in Deutschland als einer der ersten auf die Gefährlichkeit und konkreten Auswirkungen von Schwermetallen, insbesondere Quecksilber und Amalgam, hingewiesen. Ebenfalls verdanken wir ihm, dass in Deutschland recht früh die Schwermetallausleitung mit DMSA bekannt wurde, die jedoch nach 25 Jahren Nutzung im Jahr 2016 für Heilpraktiker verboten wurde. 

Sie kennen solche Test vielleicht von Allergietests auf Pollen, Gräsern usw. Dabei wird auf die Haut am Arm ein großes Pflaster geklebt, auf dem sich mehrere kleine Pads befinden, die die zu testenden Substanzen in sehr hoher Verdünnung enthalten. Wenn eine Allergie auf einen Stoff vorliegt, entwickelt sich bereits nach kurzer Zeit eine Rötung. 

Da die Entzündungsreaktionen auf Metalle deutlich langsamer ablaufen, muss in der hier geschilderten Ausführung das Testpflaster 7 Tage lang getragen werden. Rötungen treten erst nach dieser Zeit auf und können sich auch noch nach dem Abnehmen des Pflasters entwickeln. Daher sollte nach dem Abnehmen des Pflasters der entsprechende Bereich fotografiert werden, und zwar nach 1 Stunde, 12 und 24 Stunden.

Wegen der Gefährlichkeit solcher Entzündungsreaktionen sind die Testsubstanzen auf dem Pflaster sehr stark verdünnt. Man will maximal eine leichte Rötung provozieren, um den Körper zu schonen.

Fotodokumentation eines Epikutantests

Narbe mit Titanklammern
1
Eiterung nach Titanklammern
2
Selbe Narbe mit Stripes
3

1) Auflistung der getesteten Stoffe
2) Anleitung
3) Photo vom Test „Metalle und Basiskunststoffe“ nach dem Abnehmen des Pflasters,
Sichtbare Reaktionen bei 1. Kadmium, 2 Eugenol, 3 Platin, 4 Nickel, 5 Gold, 7 Palladium, 8 Titan, 10 Methylmetaacrylat 

Mir ist nicht bekannt, ob gegenwärtig noch Toxikologen existieren, die einen solchen Test in Deutschland anbieten und auswerten.

Titanstimulationstest an Makrophagen + genetischer Test

Dies ist die aktuelle Variante eines Test, ob Titan vertragen wird, angeboten z.B. vom IMD Potsdam 

Kosten: 
– Titanstimulationstest ca. 56 Euro
– Bestimmung der genetischen Risikofaktoren ca. 187 Euro (beide Preise von 2026) 

https://www.imd-berlin.de/fachinformationen/diagnostikinformationen/titan-unvertraeglichkeit 

Zahnimplantate aus Keramik – nicht immer titanfrei

Ein Keramik-Implantat bedeutet nicht automatisch, dass kein Titan enthalten ist!

Es gibt zwei grundsätzlich unterschiedliche Arten von Zahnimplantaten:

  1. Zweiteilige Implantate.
    Hier wird zunächst ein Keramiktopf in den Kieferknochen geschraubt. Dieser "Topf"  enhält ein Gewinde aus Titan, auf das später nach dem Einbau und  Ausheilen des Implantates der obere, zweite Teil des Implantates aufgesetzt und festgeschraubt wird. An diesem oberen Teil werden danach die Zahnprotesen befestigt.
    Damit sich das Gewinde nicht zusetzt, wird es vor dem Einbau im Knochen mit einer Metallscheibe  bedeckt, die mit einer Titan-Schraube befestigt wird. Über der Konstruktion wird das Zahnfleisch wieder zusammengenäht. Das ganze soll 3 Monate lang in Ruhe im Knochen einwachsen.
    Das Zahnfleisch ist folglich drei Monate lang in direktem Kontakt mit der Titanschraube. Bei einer Entzündungsneigung auf Titan ist hier eine Eiterung sehr wahrscheinlich!
  2. Einteilige Implantate.
    Bei diesen gibt es nur einen Stift. Die untere Hälfte landet im Knochen, die obere Hälfte guckt oben heraus.
    In diesem Fall sind keine Titanschrauben notwendig.
    Eine hochwertige Ausführung ist beispielsweise Straumann Pure Ceramic Monotype
    Der oder die Implantierende muss dabei eine etwas andere Operationstechnik anwenden. Man sollte sich daher jemand suchen, der mit dieser Technik bereits Erfahrungen hat.

 

Adressen von Impantologie für titanfreie Implantate in Erfurt und Umgebung:
(wird gerade recherchiert)

Schlussfolgerung

Falls bei Ihnen das Einsetzen eines Implantats oder Zahnimplantats geplant ist, sollten Sie vorher unbedingt einen Test auf Entzündungen durch Titan durchführen lassen. Dies gilt inbesondere für Raucher, bei denen solche Komplikationen häufiger vorkommen (siehe Zitate in der Literaturliste unten).
Wenn dieser Test eine Reaktion anzeigt, dürfen bei Ihnen nur andere Materialen verwendet werden! 

Beispielsweise gibt es für diesen Zweck Zahnimplantate, die nur aus Zirkonoxid-Keramik bestehen, und kein Titan enthalten.

 

Literatur

Liste von klinischen Studien über Entzündungsreaktionen an oralen Implantaten (die in der Regel aus Titan bestehen).
Die erste Veröffentlichung dazu erfolgte bereits 2006.

  1. Dörner T, von Baehr V et al. Implant-related inflammatory arthritis. Nature Clin Pract Rheumatol. 2006;2:53).
    = 1 Patientenfall Entzündung auf Titanimplantat, das dann ersetzt wurde
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16932652/

  2. Jansson, H et al. (2005): Clinical consequences of IL-1 genotype on early implant failures in patients under periodontal maintenance. Clin Implant Dent Relat Res 7(1): 51
    = 81 von 755 Patienten erlitten Implantat-Probleme, Hauptrisikofaktoren waren Rauchen und IL-1 Genotyp
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15903175/

  3. Laine, M. et al. (2006):IL1RN gene polymorphism is associated with peri-implantitis. Clin Oral Implants Res 17(4): 380
    = Träger der Genmutation Il-1RN Allel 2 haben erhöhte Wahrscheinlichkeit für Peri-Implantitis (Entzündung am Implantat)
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16907768/

  4. Montes, C.C. et al. (2009): Analysis of the association of IL1B (C+3954T) and IL1RN (intron 2) polymorphisms with dental implant loss in a Brazilian population. Clin Oral Implants Res 20(2):208
    = Der Genotyp 2/2 von Il-1 war häufiger unter Patienten mit Implantatverlust
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19191798/

  5. Feloutzis, A. et al (2003): IL-1 gene polymorphism and smoking as risk factors for periimplant bone loss in a well-main tained population. Clin Oral Implants Res 14:10
    = Studie an 90 Patienten mit oralen Implantaten
    Schlussfolgerung: Fehlschlagen wohl nur bei Rauchern mit zusätzlichem IL-1 positivem Genotyp
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12562360/

  6. Gruica, B. et al. (2004): Impact of IL-1 genotyp and smoking status on the prognosis if osseointegrated implants. Clin Oral Implants Res 15(4): 393
    = 180 Patienten mit oralen Implantaten, 
    "Bei 6 von 12 bzw. der Hälfte der starken Raucher und der Patienten mit positivem IL-1-Genotyp trat während des Nachbeobachtungszeitraums entweder ein Implantatversagen, d. h. der Verlust des Implantats, oder eine biologische Komplikation auf."
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15248873/

  7. Jacobi-Gresser et al. (2013): Genetic and immunological markers predict titanium implant failure: a retrospective study. Int J Oral Maxillofac Surg. 42 (4) : 537
    = Studie an 109 Patienten mit Titan-Implantaten, 
    "Die Genotypisierung von IL-1, IL1RN und TNFA sowie die Ergebnisse des Zytokinfreisetzungstests liefern prognostische Marker für den Erfolg von Titanimplantaten und könnten neue Instrumente für die individuelle Risikobewertung darstellen.
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22925444/
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