Kryptopyrrolurie (KPU)

ADS wird von Vielen für eine reine – unerklärliche – Verhaltensauffälligkeit von Kindern gehalten. Dabei steckt eine messbare Stoffwechselstörung dahinter, die zudem gut behandelt werden kann.
Auch viele Erwachsene ohne die Diagnose ADS leiden unter dieser Stoffwechselstörung und ihren Folgen.

Diese Seite erklärt die wichtigsten Symptome der Kryptopyrrolurie, ihre Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.

Petition zur Anerkennung der KPU/HPU als Erkrankung (läuft bis 20.1.2018)

Was ist Kryptopyrrolurie (KPU)?

Kryptopyrrolurie (KPU) ist eine Funktionsstörung in den Mitochondrien, durch die Blutfarbstoff (Häm) nicht richtig abgebaut wird. Die Bruchstücke werden über den Urin ausgeschieden als Pyrrol. Das wäre an sich nicht so schlimm. Allerdings verbinden sich das Pyrrol unlösbar mit Vitamin B6, Zink und Mangan – es entsteht Kryptopyrrol. Dieses wird dann über die Niere ausgeschieden.

Im Laufe der Monate und Jahre entstehen durch diesen ständigen Verlust dramatische Mängel an Vitamin B6, Zink und Mangan, die sich drastisch auswirken. Ohne B6, Zink und Mangan funktionieren alle möglichen Dinge nicht mehr richtig im Körper.

Am meisten leiden die Patienten unter den Einschränkungen im Gehirn. Man ist benommen, kann sich Dinge nicht mehr merken, verträgt keinen Lärm und anderen Stress und ist dann wie leer im Kopf. Die Stimmung ist bedrückt, man zieht sich zurück und schämt sich dafür.

Der Grund dafür: Vitamin B6 und Zink werden benötigt, um die wichtigen Neurotransmitter Dopamin und Serotonin zu bilden. Wenn diese Hilfssubstanzen fehlen, kann das Gehirn nicht genug Dopamin und Serotonin bilden. Diese benötigen wir nicht nur zum denken, sondern sie sind auch wichtig für eine zufriedene Stimmung.

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Abb. 1: Bei KPU verbindet sich Pyrrol unlösbar mit Vitamin B6, Zink oder Mangan und wird dann über den Urin ausgeschieden

Bei Kindern werden die Auswirkungen eine Kryptopyrrolurie meist als ADS oder ADHS diagnostiziert. Und dann wird nach den eigentlichen Ursachen nicht weiter gesucht, obwohl diese gut behandelbar sind.

Erwachsene versuchen meist, möglichst lange gut weiter zu funktionieren, und verleugnen die Konzentrationsstörungen und Merkstörungen so lange vor sich, bis sie im Beruf versagen. Dann erfolgt die Diagnose durch den Neurologen meist rein beschreibend in Richtung Benommenheit, Konzentrationsstörungen oder sogar als Psychische Störung und es wird nicht nach den wirklichen Ursachen gesucht. Dies ist verheerend, denn es wird den Betroffenen damit nicht geholfen, und es werden Irrwege eingeleitet, die den Zustand zementieren.

Eigentlich können die Betroffenen glücklich sein, wenn sich auch andere körperliche Symptome bemerkbar machen. Denn ein gut ausgebildeter Mediziner/Heilpraktiker wird durch diese Symptome eine Kryptopyrrolurie vermuten und kann sie mit dem Labortest eindeutig feststellen.

Symptome der Kryptopyrrolurie

Meistens sind mehrere der folgenden Symptome anzutreffen. Dazu gehören auch viele Körpersymptome!

Stimmung und Denken

Weitere Körpersymptome

Typische äußere Erkennungszeichen der Kryptopyrrolurie hat Dr. Kamsteeg gesammelt (zur Seite von Dr. Kamsteeg)

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Abb. 2: Eingerissenes Bindegewebe bei einem 18-jährigen Jungen mit KPU

Einen Eindruck von der Verzweiflung der Betroffenen vermittelt dieser absolut typische Bericht eines Patienten:

Bericht aufklappen

Text folgt

Alle konsultierte Ärzte sagen, sie können nichts finden (Vermutlich kennt sich keiner mehr mit der Biochemie des Gehirns aus):

 

Test auf Kryptopyrrolurie

Die Laboruntersuchung ist einfach und bequem. Man schickt von sich eine Urinprobe an ein Speziallabor und darin misst das Labor die genaue Menge von Kryptopyrrol. Diese Untersuchung kostet je nach Labor zwischen 15 und 60 Euro.
Die Labore bestimmen teilweise unterschiedliche, aber miteinander verwandte Substanzen – daher die unterschiedlichen Preise. Meist werden von den betroffenen Patienten alle diese Substanzen ausgeschieden, weshalb in der Regel der preisgünstigste Test reicht.

Es wäre auch möglich, den Zinkmangel, den Manganmangel und den Vitamin B6-Mangel separat zu untersuchen. Aber das ist sehr viel teurer, und man muss dafür Blut abnehmen.

Manche Menschen verlieren abends mehr Kryptopyrrol, andere morgens. Deshalb sammelt man den Urin von abends bis morgens nach dem Aufstehen in einem metallfreien Gefäß aus Plastik oder Glas.

Das funktioniert auch bei Kleinkindern. Solange Kinder noch Windeln tragen, ist es schwierig.

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Abb. 3: Ein KPU Befund mit deutlich erhöhtem Wert

Der Laborwert zeigt ganz genau an, wie stark die Kryptopyrrolurie ist. Er zeigt aber nicht an, wie lange der Patient schon diese wichtigen Stoffe verliert. Bei einem Messwert von „nur“ 120 µg/l können daher die entstandenen Mängel genau so groß sein, wie bei einem Messwert von 160 µg/l, wenn die KPU schon lange bestand.

Die meisten Patienten mit Messwerten über 90 leiden unter sehr schlechter Konzentration, Benommenheit, Verdauungsstörungen, Immunschwäche, überbeweglichen Gelenke bzw. Knirschen in den Gelenken und Bindegewebsschwäche.

Gesunde: 0 … 40 µg/l
Vorhandene KPU:  ab 90 µg/l - deutliche Symptome wie Benommenheit, ADS, schlechte Konzentration
Schwere KPU: >150 µg/l

Wenn der Test auf KPU negativ ausfällt, kommen die Ursachen in Frage, die ich auf meiner Seite über Benommenheit und Konzentrationsstörungen beschrieben habe.

Ursache nitrosativer Stress

Mitochondrien bilden den Giftstoff Stickstoffmonoxid (NO), wenn sie Viren oder Pilze bekämpfen oder bei Unterversorgung, z.B. bei Durchblutungsstörungen. Dieses NO zerstört Vitamine, es führt zu Metallverlusten und es hemmt zahlreiche Enzyme.
Die Folge sind unerklärliche Funktionsstörungen und massive Mangelzustände.

Am stärksten wird Vitamin B12 durch NO zerstört. Deshalb kann man an einem Vitamin B12 Mangel erkennen, ob und wie stark nitrosativer Stress gewirkt hat.

In klin. Studien hat sich gezeigt, dass ein Vitamin B12-Mangel am zuverlässigsten durch die Messung von Methylmalonsäure im Urin bestimmt werden kann. Diese Substanz steigt um so mehr an, je stärker der Vitamin B12-Mangel ist.

Kryptopyrrol-Methylmalonsäure-Wertepaare

Abb. 4: Messwerte für Kryptopyrrol (MVZ Ettlingen) und Methylmalonsäure (Ganzimmun) bis 11/2016 bei meinen Patienten

Die Grafik zeigt Werte für Kryptopyrrol und Vitamin B12-Mangel (Methylmalonsäure) für alle Patienten meiner Praxis, bei denen beides gleichzeitig gemessen wurde. Man erkennt einen erstaunlich deutlichen Zusammenhang zwischen der Stärke des Vitamin B12-Mangels und der Kryptopyrrolausscheidung. Beides zusammen geht auf die selbe Ursache zurück: nitrosativer Stress.

Wie ich feststellen musste, haben einige Labore ihre Messverfahren nicht geeicht. Es gibt Abweichungen bis zum Faktor 3. Daher sind die Zahlenwerte nicht direkt mit den Werten anderer Labore vergleichbar.

Selten sieht man eine Kryptopyrrolurie, ohne dass es Hinweise auf nitrosativen Stress gibt. Diese ist dann angeboren und wird als eine Mitochondrienfunktionsstörung von der Mutter geerbt.

Wodurch kann eine KPU ausgelöst werden? Ein paar Beispiele aus meiner Praxis:

Behandlung der Kryptopyrrolurie

Die Mängel an Vitamin B6, Zink, Mangan und eventuell weiteren Spurenelementen müssen beseitigt werden. Dafür gibt es Spezialpräparate. Schon nach einigen Wochen Einnahme fühlt man sich meist deutlich besser.
Damit die Mängel wirklich verschwinden, ist jedoch eine deutlich längere Einnahme nötig.

Bei einer erworbenen Kryptopyrrolurie müssen auch die Ursachen abgestellt werden – meist nitrosativer Stress. Er entsteht durch Entzündungen z.B. im Darm und bei Durchblutungsstörungen, vor allem im Gehirn.
Wenn nitrosativer Stress besteht oder bestand, gibt es meist zahlreiche weitere Vitaminmängel.

Wichtig ist, sich zu Auszeiten und Rückzugsmöglichkeiten zu gönnen. Dann kann das Gehirn in Ruhe Neurotransmitter nachbilden. Reizüberflutungen sind zu meiden.

Bei Kindern kann eine zusätzliche psychotherapeutische oder ergotherapeutische Behandlung hilfreich sein.

Schulkinder sollten möglichst weit vorne sitzen, damit sie den Lehrer besser verstehen und sehen.
Klassenräume sollten Gardinen haben, damit die Akustik besser wird.
Lehrer sollten darauf verzichten, Fakten zu pauken und mehr Wert darauf legen, den Kindern Zusammenhänge zu erklären. Denn das logische Denken ist meist bei ADHS Kindern sogar sehr gut ausgeprägt. Sie können sich nur nichts auswendig merken.

Die KPU ist sehr gut behandelbar, wenn ursächlich behandelt wird. Hingegen hilft eine Diagnose „ADS“ nicht weiter, wenn die einzige Therapie in der Verabreichung von Ritalin und anderen Aufputschmitteln besteht. Das geht am Kern der Erkrankung völlig vorbei.

Homöopathie kann helfen, die Verhaltensmuster zu durchbrechen, in denen die Betroffenen sich befinden. Die derzeit wirksamste Methode zur Bestimmung eines passenden Mittels ist die Polaritätsanalyse nach Heiner Frei.

Bei ADHS – also ADS mit Hyperaktivität gibt es spezielle Empfehlungen, die ich auf meiner Seite über AHDS beschrieben habe.

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